“Na, du bist aber empfindlich…”

Wie der Teufelskreis der Diät-Mentalität gesellschaftlich aufrecht erhalten wird –
und was du tun kannst, damit du nicht dazu beiträgst!
Beim Einkaufen steht an der Kasse eine Mama hinter mir und sagt zu ihrem schätzungsweise drei Jahre alten Sohn: “Kann nicht sein, so schnell hat man nicht wieder Hunger.”. (Spoiler: Man kann natürlich “so schnell” wieder Hunger haben, man kann schließlich auch “so schnell” wieder auf die Toilette müssen.)

In der Bücherei höre ich einen Jungen, wahrscheinlich Erstklässler, sagen: “Der Opa muss auch mal eine Diät machen, der hat so einen dicken Bauch!”.

Ich bin Würzburg unterwegs und bekomme mit, wie ein ungefähr fünf Jahre altes Mädchen zu ihrer Mutter sagt, dass ihre Hose schon wieder rutsche und dass sie einen Gürtel oder eine neue Hose brauche. Die Mutter antwortet ihr: “Ich sag dir die ganze Zeit schon, dass du mehr essen musst, dann rutscht auch deine Hose nicht mehr. Wir kaufen keine neue.”. (Oder übersetzt: “Ich weiß besser als du, was dein Körper braucht.”)

Eine 13jährige Patientin erklärt mir, dass sie seit Jahren maximal 1200 Kalorien zu sich nimmt, denn “schließlich braucht man nicht mehr, das habe ich im Internet gelesen”. (Mittlerweile sollten wir es ale wissen: Das ist der Kalorienbedarf eines Kleinkindes und definitiv nicht der eines pubertierenden Mädchens, dessen Hormonhaushalt auf gewisse Fettreserven angewiesen ist.)

Ich scrolle durch Social Media und sehe unzählige Posts und Anzeigen mit der Botschaft: “So verlierst du als (frischgebackene) Mama in kurzer Zeit viel Gewicht und fühlst dich endlich wieder wohl in deiner Haut!

…na und, ist doch ganz normal?

Wir leben im Jahr 2023. Wir sprechen über Diversity, über Body Positivity, über Selbstliebe, über die Freiheit, tun und lassen zu können, was man will – sein zu können, wer man will. Und ich frage mich ernsthaft: Worin, in aller Welt, sehen noch immer so viele Menschen und Unternehmen die Rechtfertigung dafür so saumäßig viel Geld mit dem Versprechen von Gewichtsverlust und Idealfigur zu verdienen?! Wieso finden wir es okay und unterstützen es vielleicht auch noch, dass Leute reich werden mit Bodyshaming? Warum wird Diätmentalität und Körperscham noch immer an die nächste Generation weitergegeben? Warum gilt es nach wie vor als sozial akzeptiert, den Körper eines anderen Menschen zu kommentieren und abzuwerten? Haben wir als Gesellschaft eigentlich sonst keine Probleme?!

Ich schreibe mich in Rage. Vielleicht merkt man, dass das ein sehr emotionales Thema für mich ist. Meine Uhr merkt es definitiv – Puls bei 103. Bei Aussagen oder Verhaltensweisen, die mit Essen, Gewicht und Körperformen zu tun haben, werde ich sehr schnell aufmerksam und “empfindlich”, wie ich öfter einmal zu hören bekomme. Und ich möchte dir gerne erklären, warum ich kein Problem damit habe, empfindlich zu sein.

Sozialer Einfluss auf das Essverhalten

Bis zum letzten Sommer habe ich in einer Klinik mit Schwerpunkt Essstörungen gearbeitet und entsprechend viele Patient:innen mit diesem Störungsbild behandelt. Auch ambulant hatte ich seither mehrere Patient:innen, die ein mehr oder weniger stark auffälliges Essverhalten zeigen oder eine Essstörung haben. Die Entstehung einer Essstörung und auch auffälligen Essverhaltens ist vielschichtig, komplex und individuell, keine Frage. Aber neben genetischen und psychologischen Faktoren spielt ein weiterer Aspekt eine enorme Rolle: das soziale Umfeld.

Es gibt Menschen, die auf Äußerungen zu Körper, Essen und Gewicht etwas sensibler reagieren als andere, ganz unabhängig von einer psychischen Erkrankung. Patient:innen berichten mir zum Beispiel von folgenden Aussagen und Situationen, die zum Entstehen ihres Essverhaltens beigetragen haben (ich wiederhole es zur Sicherheit nochmals – der soziale Einfluss ist ein Faktor von mehreren):

  • Papa: “Na du hast heute aber so richtig Appetit, so haust du doch normalerweise nicht rein!”
  • Opa: “Du hast ganz schöne Pausbacken bekommen, steht dir gut!”
  • Mama und Oma kommentieren die Körper anderer Menschen.
  • Über als zu dick erachtete Menschen wird im Freundkreis hergezogen —> Glaubenssatz “Nur wenn ich dünn bin bin ich liebenswert” wird begünstigt.
  • Dünnsein und Abnehmen werden auf Social Media normalisiert und gefeiert.



Fakt ist: Im Gegensatz zu genetischen und psychologischen Faktoren können wir die sozialen Einflüsse bis zu einem gewissen Maß kontrollieren. Eltern, deren Kinder bei mir in Behandlung sind, bekommen deshalb eine einzige Regel auferlegt: “Bitte kommentieren Sie künftig nicht mehr das Essverhalten, Portionsgrößen, Sportverhalten, das Gewicht und den Körper Ihres Kindes.”

 

Die Reaktionen auf diese Regel könnten unterschiedlicher nicht sein. Angefangen bei “Selbstverständlich! Ich will schließlich, dass mein Kind so schnell wie möglich wieder gesund wird!” über “Sowas hab ich früher ständig gehört – und hat’s mir geschadet?” (Spoiler: vermutlich ja…) oder “Ich kann jetzt ja aber auch nicht für immer Rücksicht darauf nehmen 🙄” bis hin zu “Man kann auch echt übertreiben…”.

Und weshalb diese unterschiedlichen Reaktionen? – Richtig! Weil auch sie unter dem gesellschaftlichen Einfluss stehen, der er nicht nur akzeptiert, sondern etabliert, Diäten und Gewichtsabnahme gut und “normal” zu finden!

 

Wir sehen die Welt vor dem Hintergrund dessen, was wir lernen, was wir erfahren, womit wir uns beschäftigen und was wir gezeigt bekommen. Und genau deshalb, weil es einen solchen Einfluss hat, womit wir uns beschäftigen, ist es so unfassbar wichtig, darauf zu achten, was unsere Kinder lernen, welche Erfahrungen sie machen, was sie sehen und hören und womit sie sich auseinandersetzen!

…ja und warum bist du jetzt so empfindlich???

Ich bin empfindlich, weil ich weiß, dass Veränderungen im Kleinen, im Alltäglichen beginnen und dass, wie gesagt, soziale Einflüsse bis zu einem gewissen Grad kontrollierbar sind: Ich wünsche mir, dass Eltern ihrem Kind, das einfach auf seinen Körper hört, nicht einreden, dass es seinem Körper nicht vertrauen kann, sondern dass sie von außen betrachtet besser wissen, was es braucht oder nicht. Ich wünsche mir, dass es für Kindergarten- und Grundschulkinder keine Normalität ist, den Körper eines anderen Menschen zu kommentieren – und damit auch über dessen Aussehen zu urteilen. Ich wünsche mir, dass Eltern ihren Kindern ein Vorbild im intuitiven Essverhalten, im Vertrauen in den eigenen Körper und im Umgang mit sich selbst und mit anderen sind. Ich wünsche mir so sehr, dass unsere Kinder in einer Welt aufwachsen dürfen, in der sie sich nicht über ihr Gewicht oder ihr Aussehen definieren müssen, um dazuzugehören.

 

Wir leben im Jahr 2023. Wir sprechen über Diversity, über Body Positivity, über Selbstliebe, über die Freiheit, tun und lassen zu können, was man will – sein zu können, wer man will. Wir reden. Aber nur wenige setzen auch um.

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